rotuloAlonSofia
Siehe "Misogynisches" 1, -, 3, 4; docx (Komplett); "Nietzsche Rassist"; "Nietzsche Verbrecher"

MISOGYNIETZSCHES 2

4. UNTER TÖCHTERN DER WÜSTE". EIN PORNOLIED

a. Der Text

Kommentar 16 . Dithyrambus war das Lied in den orgiastischen dionysichen 17 Festen, ‟wo das Centrum lag in der geschlechtliche Zuchtlosigkeitˮ und ‟unumschränkte Hetärentumˮ (‟Dionysische Weltanschauungˮ 1870). Nietzsche, der sich selbst betitelt als der ‟Erfinder des Dithyrambusˮ (‟Ecceˮ Also sprach 7), wollte nicht seinen schon verfassten Dithyramben für ‟Zarathustra IVˮ ‟in der Öffentilichkeitˮ für ‟das Publikumˮ geben, und versuchte vergebens die Federn wieder zu sammeln. Nietzsche schreibt an Gersdorff: ‟Heute teile ich Dir, nicht ohne einige Bedenken, etwas mit, das eine Frage an Dich in sich schließt. Es gibt einen vierten (letzten) Teil Zarathustra, eine Art sublimen Finales, welches gar nicht für die Öffentlichkeit bestimmt ist (das Wort ʽÖffentlichkeitʼ und ʽPublikumʼ klingt mir, in Bezug auf meinen ganzen Zarathustra, ungefähr so wie ʽHurenhausʼ und ʽöffentliches Mädchenʼ, Pardon!). Aber dieser Teil soll und muß jetzt gedruckt werden: in 20 Exemplaren zur Verteilung an mich und meine Freunde, und mit jedwedem Grade von Diskretionˮ (An Gersdorff 850212).

Ich werde auf expliziteren Erklärungen verzichten, um nicht den Lesern zu unterschätzen, und nicht jenseits von dem Verfasser Nietzsche selbst zu gehen: ‟ich las es dieser Tage und bin fast umgekommen vor Bewegungˮ (An Köselitz 881209). Nur ein Monat vor seiner totale Umnachtung, war er nicht so närrisch wie seine Tutoren, die diese Texte in die Öfenttlichkeit gegeben haben, und heute in dem Netz zur Verfügung von jeden Fischer stehen, jung und alt.

Dionysos mit zwei

‟Unter Töchtern der Wüsteˮ 18 singt, eine, mindenstens gedichtete, dionysiche "Orgie à trois". Die Teilnehmer in der heiβen Szene sind der Lyriker, Eremit von Engadin, Zarathustra Nietzsche als Satyr, und zwei Mädchen, seine "allerliebsten Freundinnen", als Bacchantinen oder Mänaden.

Einleitung von Nietzsche in Prosa: ‟Es sei denn, es sei denn, o vergib eine alte Erinnerung! Vergib mir ein altes Nachtisch-Lied, das ich einst unter Töchtern der Wüste dichtete: bei denen nämlich gab es gleich gute helle morgenländische Luft; dort war ich am fernsten vom wolkigen feuchten schwermütigen Alt-Europa! Damals liebte ich solcherlei Morgenland-Mädchen und andres blaues Himmelreich, über dem keine Wolken und keine Gedanken hängen. Ihr glaubt es nicht, wie artig sie dasaßen, wenn sie nicht tanzten, tief, aber ohne Gedanken, wie kleine Geheimnisse, wie bebänderte Rätsel, wie Nachtisch-Nüsse, bunt und fremd fürwahr! aber ohne Wolken: Rätsel, die sich raten lassen: solchen Mädchen zu Liebe erdachte ich damals einen Nachtisch-Psalmˮ (‟Alsoˮ Unter Töchtern der Wüste 1).

Das Lied in verkürzerter Fassung: ‟Da sitze ich nun, / In dieser kleinsten Oasis, / Einer Dattel gleich, / Braun, durchsüßt, goldschwürig, lüstern / Nach einem runden Mädchenmunde, / Mehr noch aber nach mädchenhaften / Eiskalten schneeweißen schneidigen / Beißzähnen: nach denen nämlich / Lechzt das Herz allen heißen Datteln. Sela.ˮ […] ‟Umlagert von euch, / Ihr stummen, ihr ahnungsvollen / Mädchen-Katzen 19 , Dudu und Suleika, / umsphinxt, Die Palme, Oasis-Bauch, hinabgeschluckt, Maul, Mäulchen, das andere Bein! […] Das einsame Bein […] Abgenagt, abgeknabbert, Erbärmlich, wehe! wehe! abgeknabbert! Sela. […] Sei ein Mann, Suleika! Mut! Mut! / Oder sollte vielleicht Etwas Stärkendes, Herz-Stärkendes / Ich kann nicht anders, Gott helfe mir! Amen! (‟Also sprach Zarathustra IVˮ und ‟Dionysos-Dithyrambenˮ 2).

b. Die Wüste der Wollust

Literarische Form: Dithyrambus. "Im dionysischen Dithyrambus wird der Mensch zur höchsten Steigerung aller seiner symbolischen Fähigkeiten gereizt; etwas Nieempfundenes drängt sich zur Äußerung, die Vernichtung des Schleiers der Maja, das Einssein als Genius der Gattung, ja der Natur. Jetzt soll sich das Wesen der Natur symbolisch ausdrücken; eine neue Welt der Symbole ist nötig, einmal die ganze leibliche Symbolik, nicht nur die Symbolik des Mundes, des Gesichts, des Wortes, sondern die volle, alle Glieder rhythmisch bewegende Tanzgebärde" ("Die Geburt" 2).

Das Thema. ‟Unter Töchtern der Wüsteˮ ist ein Dithyrambus, wie Nietzsche sagt, und es singt den wüstlingen Dionysos unter zwei Mänaden Töchtern der Wüste, in schamloser Handlung, in orgiastischem und orgastischem Taumel 20 . Es ist ein Hymnus auf die Wüste der Wollust, auf die unfruchtbare Geschlechtlichkeit. In der zehnten Geschichte des Dekamerons, die Tochter de Wüste 21 Alibech, ist die Hölle 22 für den Teufel des heiligen Eremit Rusticus. "Jede Zeit hat ihren Erzähler von Tausend und Einer Nacht. Unserer ist jetzt Wagner; es sind Dinge, die man nicht glaubt, nicht für möglich hält—aber sehr gern einmal im Theater sieht, als wären sie wahrˮ (F 1880 4 [3] 265). Nietzsche spricht eigentlich über sich selbst.

Die Aktion. Das gelehrte PornoLied zeigt den Einsiedler, Einsamer und Eremit Zarathustra Nietzsche in Versuchung gafallen 23 ‟hinab, hindurch, unter 24 zwei allerliebsten Freundinnenˮ, orientalischen Mädchen-Katzen, die bleiche Dudu und die männliche Suleika in der ‟Entfesselung der niederen Triebeˮ, und des ‟unumschränkten Hetärentums‟ 25 . In diesem dithyrambischen erotischen Kontext es ist nicht schwierig ‟das Rätselˮ zu enrätseln, die harmlose ‟gelehrte Anspielungˮ zu verstehen, ohne Ödipus 26 oder Freud zu sein. Es ist klar was in der humanen unverhüllten anatomischen Orographie, die Oase in der Wüste bezeichnet, was der Bauch, das runde Mädchen-Maul, das Herz, die tänzende gefährlich lange Palme die sich biegt und schmiegt und in der Hüfte wiegt, was sind die heiβe Datteln, die ähnliche Südfrüchte, was das einsame Beinchen von Beiβzähnen abgenagt, abgeknabbert! Es ist eindeutig was das für Nietzsche wohlriechendste aller Mäulchen, hinabgeschlucken kann, und was ist der Gast in der Walfische. Auf der Wüste erschallt das orgiastische Gebrüll: ‟Ihr Süßholz-Herz–Beutelchen!ˮ, ‟blase, blase wieder, Blasebalg der Tugend! Würde! Europäer-Würde-Inbrust-Heiβhunger!ˮ 27 ‟Mut!ˮ, ‟Stärker!ˮ. Das Geschrei ‟Hu! Hu! Hu! Hu! Huh!...ˮ , ‟wehe! wehe! erbärmlich!" ‟Ha!ˮ, dröhnt wie das Urwiederklang des dionysischen Urschmerzes28 , und klingt wie das orgastisches spasmodisches Geheul des Untieres endend mit der Phase der ‟Dekadenzˮ, mit dem interruptus "ich kann nicht anders, Amen!ˮ ‟Interruptusˮ weil ‟das andre einzige Beinchenˮ ist verloren, ‟es ist dahin, auf ewig dahinˮ 29 (cf. kastrierter Nietzsche). Daher der Weinkrampf der Töchtern der Wüste 30 . Es fehlt die Ekel-Moral von dem erschöpften Nihilist für gespannten Lesern: ‟Vergiß nicht, Mensch, den Wollust ausgeloht: / du bist der Stein, die Wüste, bist der Todˮ. Und es fehlt noch als Nachtisch-Ekel der Abfluβ zum Ausschuβ: ‟die Wüste schlingt und würgtˮ (Dionysos Dithyramben; Also IV ‟Die Töchtern der Wüsteˮ).

Ort und die Zeit der bacchischen Szene: Das Lied lautet: "Viele Länder sah ich doch"..."Morgenländische Luft...".., "die Wüste" 31 . "eine alte Erinnerung"..."das ich eins dichtete"......"erdachte ich damals". Das Manuskript ist von 1888, Nietzsche schreibt über "Dithyramben" und von "Heilige in der Wüste" seit 1869 in Basel für "Die Geburt der Tragödie".

Die Teilnehmer. a) Das "Ich" (11x) als Solosänger, ist der lyrische Genius, Nietzsche-Zarathustra-Dionysos-Ödipus, als Satyr ("Die Geburt" 8). b) Die Töchter der Wüste, Suleika und Dudu: der Vers ‟Sei ein Mann, Suleika32 gibt Indizen von was für ein intimes Paar der ‟allerliebsten Freundinnenˮ, für Nietzsche from 1884 bis 1888 und weiter, spricht das Lied. ‟Duduˮ ist gesungen in Byrons ‟Don Juan. Canto the Sixth‟: ‟A kind of sleepy Venus seem'd Dudù, Yet very fit to 'murder sleep' …/ Dudù, as has been said, was a sweet creatureˮ. In den Jahren der Redaktion von Nietzsche 1884-1888 ist das Paar Meta von Salis und ihre intime Freundin Kym, die plausibelere Inspiration. Wenn die Buchstaben "Kaun..." sind eine Abkürzung von "kaunische Liebe", man sollte an anderen noch näheren Nietzsches Partnerinnen zu denken 33 . Naturwidriges, unnatürliches, inzestuöses und päderastisches, ist kein Problem, das gehört der dionysichen Wahrheit für Nietzsche34 .

Mehr als von "Symbolik" 35 man dürfte von Doppelsinnigkeit wenn nicht von platter Obszönität reden. Einige Vokabeln von "Unter Töchtern" sind in einer Liste von anerkannten deutschen Euphemismen.de und vulgären Ausdrücken, Tabuwörter, oder Hüllwörter. Palme = Spielbein = Penis; Dattel = weibliche Scheide = Vulva, (cf. dactylus, balanus, glans)36 ; aufzsitzen = geschlechtlich verkehren; "man tut es mit / sieht man lange zu!" = "es tun": koitiren [umgangsprache verhüllend] (Duden)]. "'durch blasen': (vulg.) durch Fellatio zum Samenerguβ bringen" (Duden); Hornbläserin = Fellatrix; Leckermäulchen = Fellatrix; Blasebalg = Fellator; Nachtisch – Nüsse = "ein Bild des weiblichen Geschlechtsorgans" ("Nuβ" 5. in Duden; Aeppli, "Knaurs Lexikon der Symbole"); In Nietzsche, häufig "Herz" = Inneres = Eingeweide = Fleisch = Geschlecht. Süßholz-Herz, Milch-Busen, Nase, moralischen Brüllaffen 37 , sündhafteren Wüschen, und andere Vokabeln haben einen eifach identifizierbaren erotischen Doppelsinn.

Mit "Nachtisch-Psalm", "Sela" 38 , "Amen" parodiert Nietzsche die biblischen Psalmen und religiösen Lieder (Luther), es ist nicht aber grausamer als die Umbildung von den heiligen 39 keuschen Eremiten in wollüstinge Satyren. Das Nachtisch-Lied 40 : "Mittag" und "groβer Mittag", häufig in Nietzsche. "Zwischen 11 und 1 Uhr mittags ist es nicht gut Korn säen; der Teufel treibt um diese Zeit sein Wesen" (Kuhn, Sagen): Origenes schreibt über den Mittagsteufel δαίμων μεσημβρινός, daemonio meridiano 41 . "Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: laß es nicht zu, daß uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!" ("Also" Unter Töchtern) 42 .

Das wohlriechendste Maulˮ ist die Umwerthung aller Geruchen, die nietzschische koproästhetik der Humoren. ‟Das Ekelhafte sollte die Quelle des Unglücks sein! Wir lernen den Ekel um!ˮ (F 1881 25[53]). Und weiter am selben Jahr: ‟Übler Geruch ein Vorurtheil. Alle Ausscheidungen ekelhaft, warum? Als übelriechend? Warum übel? sie sind nicht schädlich. Speichel Schleim Schweiß Same Urin Koth Hautreste, Nasenschleimhäute usw. Es ist unzweckmäßig! Der Ekel mit der Verfeinerung zunehmendˮ (F 1881 12 [155]) 43 . Das ist Nietzsche.

Der Urschmerz oder die Kastration des Dionysos: (Die Palme) ‟Sie hat es verlorÖdipus und Sphinxen! / [Hu! Hu! Hu! Hu! Huh!...] 44 / Es ist dahin! / Auf ewig dahin! / Das andre Bein! [Beinchen!] / O schade um das liebliche andere Bein! [Beinchen!] / Wo – mag es wohl weilen und verlassen trauern? / Das [dieses ] einsame Bein? [...] Abgenagt, abgeknabbert – / Erbärmlich, wehe! wehe! abgeknabbert! ("Unter Töchtern der Wüste"). ‟Selbitz. Ich wollte lieber mein ander Bein dazu verlieren, als so ein Hundsfott sein. (Goethe: Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand").

Der Vers umsphinxt, daß ich in ein Wort Viel Gefühle stopfe , ist das plastische Abbild von der Umwertung der Werte . Die mytische umsphinxte TierFrau : weibliches Hinten und Unten, tierisches Oben ohne Vernunft.

Schluβ: Das lied ist eine Dichtung von Nietzsche, wo er identifiziert sich mit einem kastrierten Satyr in fellatione mit zwei Mänaden. Nietzsche zeigt sich als Führer und Mahner der unfruchtbaren wollüstigen Geschlechtlikeit. Heute noch "Die Wüste, die unfruchtbare Wollust, wächst…

c. Andere Texte von Nietzsche

‟Dies war der Fall mit dem weisen Vasta, der, um vor der Bosheit der Leute von Gotha zu fliehen, sich mit seinen 2 Töchtern in eine Höhle zurückzog: woselbst er sie alle beide zu Müttern machteˮ (F 1888 14 [106]).

‟So wird von den Ariern der Frevel als Mann, von den Semiten die Sünde als Weib verstanden, so wie auch der Urfrevel vom Manne, die Ursünde vom Weibe begangen wird. Uebrigens sagt der Hexenchor: 'Wir nehmen das nicht so genau: / Mit tausend Schritten macht's die Frau; / Doch wie sie auch sich eilen kann, / Mit einem Sprunge macht's der Mann'ˮ (‟Sokrates und die griechische Tragödieˮ 1871; Die Geburt der Tragödie; cf. Goethe, Faust. Walpurgisnacht).

‟Wir nehmen das nicht so genau: Mit tausend Schritten macht's die Frau; Doch wie sie auch sich eilen kann, Mit einem Sprunge macht's der Mann.ˮ Die kleine Hexe So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt sichs schon, fromm zu sein. Man weiss, Gott liebt die Weibchen, Die hübschen obendrein. So lang noch hübsch mein Leibchen, Lohnt sich's schon, fromm zu sein: Als altes Wackelweibchen Mag mich der Teufel frein! […] Gelobt sei Gott auf Erden, / Der hübsche Mädchen liebt / Und derlei Herzbeschwerden / Sich selber gern vergibtˮ (‟Fröhlicheˮ Anhang. Lieder des Prinzen Vogelfrei. Die fromme Beppa; ‟Die Geburtˮ 9).

‟Die Wüste wächst: weh, zur Wüste ward! / Wüste ist Hunger, der nach Leichen scharrt. / Ob Quell und Palme sich hier Nester baun — / Der Wüste Drachenzähne kahn und kahn / Denn Sand ist Zahn an Zahn, vielfräßige Pein / reibt ewig hier / Kinnladen nimmer müd --- / Vielfräßiger Hunger malmt hier Zahn an Zahn / Der Wüste Drachenzähne --- / Sand ist Gebiß, ist Drachen-Zähnesaat / Das malmt und malmt -das malmt sich nimmer matt --- / Sand ist die Mutter die ihr Kind gekaut / Mit fliegendem Dolche in deren Haut ---]) (F 1884 28[4]). / / Du Stachel Schmerz, wie weit wirst du mich treiben? / Schon hab' ich Himmel umgestürzt / Mit neuen Himmeln, Würzen überwürzt / Die Götter ehrten -siegreich dir zu bleiben! / Du Stachel Schmerz, dem ich die Hand verkürzt / Dem ich die muntren Katzenfüße lähmte / Was that ich einst, das mich beschämte" (F 1884 28[5]).

‟Heil mir! Heran! Gib die Hand, .. ha! laß! Haha!.. Ekel, Ekel, Ekel… wehe mir!ˮ (‟Alsoˮ Der Genesende 1).

5. NIETZSCHE FRAUENMÖRDER

Friedrich Nietzsche identifiziert sich mit den Typen Verbrechern, Masenmördern von Frauen. Der Nietzschekomplex ist eine Summe von Ödipus- Zeus- Electra- Orestes- Don Jose- Don Juan- Chambige- Prado- Komplex, und sie alle haben eine tragische Beziehung: das Verbrechen, die Tötung der Frau.

‟'Ja! Ich habe sie getötet, / ich, meine angebetete Carmen!' Eine solche Auffassung der Liebe (die einzige, die des Philosophen würdig ist) ist selten: sie hebt ein Kunstwerk unter tausenden herausˮ (‟Der Fall Wagner. Der Fall Wagner 2). ‟Wie ein solches Werk vervollkommnet! Man wird selbst dabei zum ‟Meisterstück‟ˮ (‟Der Fall Wagner. Der Fall Wagner 1).

‟Nehmen Sie den Fall Prado nicht zu schwer. Ich bin Prado, ich bin auch der Vater Prado, ich wage zu sagen, daß ich auch Lesseps bin ... Ich wollte meinen Parisern, die ich liebe, einen neuen Begriff geben, den eines anständigen Verbrechers. Ich bin auch Chambige, auch ein anständiger Verbrecherˮ ([Photographien von Nietzsche und eine der Frauen ermordeten von Prado, Marie Aguétant]; Briefe an Burckhardt 890105, Brief an Strindberg 881207. Cf. ‟anständige Verbrecherˮ (F 1876 21 [4]).

‟Der hereditäre Verbrecher ist décadent, selbst Idiot, kein Zweifel! Aber die Geschichte der Verbrecherfamilien, für die der Engländer Galton (‟the hereditary geniusˮ) das größte Material gesammelt hat, führt immer auf einen zu starken Menschen für ein gewisses soziales Niveau zurück. Der letzte große Pariser Kriminalfall Prado gab den klassischen Typus: Prado war seinen Richtern, seinen Advokaten selbst durch Selbstbeherrschung, esprit und Übermuth überlegen; trotzdem hatte ihn der Druck der Anklage physiologisch schon so heruntergebracht, daß einige Zeugen ihn erst nach alten Porträts wiedererkanntenˮ (An A. Strindberg, 881207) 45 .

‟Nach Absichten einen Menschen abschätzen! Das wäre als wenn man einen Künstler nicht nach seinem Bilde, sondern nach seiner Vision taxirte! Wer hat nicht seine Mutter getödtet, seine Frau verrathen, wenn es auf Gedanken ankommt! Man würde in einer artigen Einsamkeit leben, wenn Gedanken tödten könnten!ˮ (F 1884 25 [119]).

‟Ödipus. Reden des letzten Philosophen mit sich selbst. Ein Fragment aus der Geschichte der Nachwelt. Den letzten Philosophen nenne ich mich, denn ich bin der letzte Menschˮ (F 1872 19 [131]).

C. SCHWANGERSCHAFT ALS DER CARDINALZUSTAND DER FRAU

1. WOLLUST UND ZEUGUNG

‟Das Weib hat zu gebären und ist deshalb zum besten Berufe des Menschen da, als Pflanze zu lebenˮ (F 1871 7 [31]).

‟Unsere meisten Ehefrauen sind zu hoch gestellt Geschlechtsbefriedigung soll nie das Ziel der Ehe sein. Eine Arbeiterbevölkerung braucht gute Hurenhäuser. Zeitehenˮ (F 1881 11 [82]2).

‟eine solche Ehe, welche das Sinnliche gleichsam nur als ein seltnes gelegentliches Mittel für einen größern Zweck gebraucht, bedarf wahrscheinlich, wie man besorgen muß, einer natürlichen Beihilfe, des Konku¬binats […] Eine gute Gattin, welche Freundin, Gehilfin, Gebärerin, Mutter, Familienhaupt, Verwalterin sein soll, ja vielleicht abgesondert von dem Manne ihrem eigenen Geschäft und Amt vorzustehen hat, kann nicht zugleich Konkubine sein: es hieße im allgemeinen zuviel von ihr verlangen. Somit könnte in Zukunft das Umgekehrte dessen eintreten, was zu Perikles' Zeiten sich in Athen begab: die Männer, welche damals an ihren Eheweibern nicht viel mehr als Konkubinen hatten, wandten sich nebenbei zu den Aspasienˮ (‟Menschlichesˮ 1.424).‟es giebt Gegenden, wo es sittlich genannt wird, seine Jungfernschaft vor der Ehe zu verlieren […] Man sagt von ihr: sie konnte sich nicht beherrschen, deshalb war sie ungehorsam gegen die Sitte; man verachtet also die Blindheit der Begierde, das Thier im Mädchen […] An sich ist es nun keineswegs schimpflich, sondern natürlich und billig, daß ein Bedürfniß sofort befriedigt werde; somit liegt das eigentlich Verächtlich ein jenem Mädchen in der Schwäche ihrer Furchtˮ (F 1880 3 [119]189; 1884 27 [79])

‟Hier begreift man am leichtesten den unglaublichen Idealismus des hellenischen Wesens: aus einem Naturkult, der bei den Asiaten die roheste Entfesselung der niederen Triebe bedeutet, ein panhetärisches Thierleben, das für eine bestimmte Zeit alle socialen Bande sprengt, wurde bei ihnen ein Welterlösungsfest, ein Verklärungstag. Alle die sublimen Triebe ihres Wesens offenbarten sich in dieser Idealisierung der Orgieˮ […] ‟Ähnliche Feste sind uralt und überall nachweisbar, am berühmtesten in Babylon unter dem Namen der Sakaeen. Hier wurde in fünftägiger Festdauer jedes staatliche und sociale Band zerrissen; aber das Centrum lag in der geschlechtlichen Zuchtlosigkeit, in der Vernichtung jedes Familienthums durch das unumschränkte Hetärenthumˮ (‟Dionysische Weltanschauungˮ 1870).

‟Ein Andres ist Wollust ein Andres ist Gebären. Fragt die Weiber: man gebiert nicht weil es V. macht (F 1883 18 [23]; 1883 23 [3]).

‟das geschlechtliche Symbol als das ehrwürdigste Symbol überhaupt, der eigentliche Symbol-Inbegriff der ganzen antiken Frömmigkeit; die tiefste Dankbarkeit für jedes Einzelne im Akt der Zeugung, der Schwangerschaft, der Geburt. In der Mysterienlehre ist der Schmerz heilig gesprochen: die ‟Wehen der Gebärerinˮ (‟Nachlassˮ 148;‟GötzenˮWas ich 4).

‟Der Akt der Zeugung ist das Geheimniß an sich in allen nicht-asketischen Religionen: eine Art Symbol der Vollendung und der geheimnißvollen Absicht, der Zukunft (Wiedergeburt, Unsterblichkeit) (F1887 8 [3]; Cf. ‟Das Kloster heckt seine Theorien im Sinne der Unnatur ausˮ über E.K.Dühring F 1875 9 [1]).

‟heiligen den Schmerz überhaupt, alles Werden, Wachsen, alles Zukunfts-Verbürgende bedingt den Schmerz; damit es die ewige Lust des Schaffens giebt, muß es ewig die Qual der Gebärerin geben ... Ich kenne keine höhere Symbolik (F 1888 24 [1]).‟was wir uns, im Hinblick auf den rätsellösenden und seine Mutter freienden Ödipus, sofort so zu interpretieren haben, daß dort, wo durch weissagende und magische Kräfte der Bann von Gegenwart und Zukunft, das starre Gesetz der Individuation und überhaupt der eigentliche Zauber der Natur gebrochen ist, eine ungeheure Naturwidrigkeit, wie dort der Inzest, als Ursache vorausgegangen sein muß; denn wie könnte man die Natur zum Preisgeben ihrer Geheimnisse zwingen, wenn nicht dadurch, daß man ihr siegreich widerstrebt, d.h. durch das Unnatürliche?ˮ (‟Die Geburtˮ 9).

‟Wie unsäglich selten ist der coitus die Absicht der Fortpflanzung!ˮ (F 1881 15 [46]).

‟Wohinein die Würde des Menschen gesetzt worden ist: Griechisches Ideal: über das Thier im Menschen Herr geworden zu sein; über das Weib im Menschen Herr geworden zu sein. Dagegen die christilche Würde: über den Stolz im Menschen Herr geworden zu sein; über den --- ˮ (F 1887 7 [9]).

‟Die ungeheure Erwartung in betreff der Geschlechtsliebe und die Scham in dieser Erwartung, verdirbt den Frauen von vornherein alle Perspektivenˮ (‟Jenseitsʼ114; F 1 87, 194).

‟Von der weiblichen Keuschheit […] Wie mit einem grausigen Blitzschlage in die Wirklichkeit und das Wissen geschleudert werden, mit der Ehe, und zwar durch den, welchen sie am meisten lieben und hochhalten: Liebe und Scham im Widerspruch ertappen, ja Entzücken, Preisgebung, Pflicht, Mitleid und Schrecken über die unerwartete Nachbarschaft von Gott und Tier und was alles sonst noch! in einem empfinden müssen!ˮ (‟Fröhlicheˮ 71).

‟Das Leben der Frauen hat eine sehr anreizende Paradoxie: es läuft auf einen Akt hinaus, der das gerade Gegentheil aller Schamhaftigkeit und ihres ganzen durch Erziehung angestrebten Denkens ist. Was Wunder, daß für sie alles Mirakel wird, und mit dieser Paradoxie zusammenhängt!ˮ (F 1880 8 [69]).

‟Ein Tier, das mit Lebensgefahr seine Jungen beschützt oder, in der Zeit der Brunst, dem Weibchen auch in den Tod folgt, denkt nicht an die Gefahr und den Tod, seine Vernunft pausiert ebenfalls, weil die Lust an seiner Brut oder an dem Weibchen und die Furcht, dieser Lust beraubt zu werden, es ganz beherrschen; es wird dümmer, als es sonst ist, gleich dem Edlen und Großmütigenˮ (‟Fröhlicheˮ Edel und Gemein 3).

‟Sodann gedenke man der geschlechtlichen Beziehungen, welche jedem Männchen ungefähr jedes Weibchen interessant in Ansehung der Lust erscheinen lassen und umgekehrt. Die Lustempfindung auf Grund menschlicher Beziehungen macht im allgemeinen den Menschen besserˮ (‟Menschlichesˮ 1.98).

‟Da sitze ich nun, / in dieser kleinsten Oasis, / einer Dattel gleich, / braun, durchsüßt, goldschwürig, / lüstern nach einem runden Mädchen-Maule, / mehr aber noch nach mädchenhaften / eiskalten schneeweißen schneidigen / Beißzähnen: nach denen nämlich / lechzt das Herz allen heißen Datteln. Sela. (‟Alsoˮ Die Mädchen-Katzen Dudu und Suleika, ‟Die Töchtern der Wüsteˮ , ‟Dionysos Dithyrambenˮ Siehe unten ‟Unter Töchtern der Wüsteˮ).

‟Merkwürdige Thätigkeit des Intellekts! Beim Geschlechtstrieb begehrt eine Person nach der anderen als dem Mittel, um den Samen los zu werden oder das Ei zu befruchten. Dies gerade weiß der Intellekt nichtˮ (F 1881 11 [127]).

‟Frauen in Colonien Die Achtung und Artigkeit, welche die Amerikaner den Frauen erweisen, ist vererbt aus jener Zeit, in der diese bedeutend in der Minderheit waren: sie ist eine Eigenthümlichkeit colonialer Staaten. Manches bei den Griechen erklärt sich hieraus. Ein Ausnahmefall: wo die Colonisten viele Weiber antreffen, entsteht gewöhnlich ein Sinken der Schätzung der Weiber. (1877 23 [128]; Cf.‟Das Gesetzt der Ökonomieˮ).

‟erst durch die Berührung des Weibes kommen Viele Große auf ihre große Bahn: sie sehen ihr Bild im vergrößernden und vereinfachenden Spiegelˮ (F 1884 25 [419]).

2. DIE FRAU, DAS PRODUKTIVE WESEN

‟Schwangerschaft als der Cardinalzustand, welcher allmählich das Wesen des Weibes überhaupt gestaltet hat. Relation aller Weiblichen Denk- und Hand¬lungs¬weisen dazuˮ (F 1882 1 [50] 7; F 1882 1 [111] 7.12).

‟Hat man meine Antwort auf die Frage gehört, wie man ein Weib kuriert, ʽerlöstʼ? Man macht ihm ein Kind. Das Weib hat Kinder nötig, der Mann ist immer nur Mittel: also sprach Zarathustra. (‟Ecce homoˮ Warum Ich, 5).

‟In allem Verkehr von M. dreht es sich nur um Schwangerschaftˮ (F 1882 1 [89]).

‟Alles am Weibe ist ein Rätsel, und alles am Weibe hat eine Lösung: sie heißt Schwangerschaft. Der Mann ist für das Weib ein Mittel: der Zweck ist immer das Kindˮ (‟Also sprach Zarathustraˮ Von alten und jungen Weiblein).

‟Ein Weib will Mutter sein; und wenn sie das nicht will, ob sie es schon sein könnte, so gehört sie beinahe in's Zuchthaus: so groß ist dann gewöhnlich ihre innewendige Entartungˮ (F 1885 34 [153]).

‟Die Ernährung des Eierstockes fordert Kraft abˮ (F 1880 6 [57]).

‟Wo die Männchen aus Hunger die Weibchen aufsuchen und in ihnen aufgehn, ist Zeugung die Folge eines Hungersˮ (‟Nachlassˮ 654 = F 1885 5 [18]).

‟Fragt die Frauen: man gebiert nicht, weil es einem Vergnügen machtˮ (F 1883 17[78]; 18 [15],18 [ 23]).

‟Die Fortpflanzung als die heiligste Angelegenheit. Schwangerschaft, Schaffung des Weibes und des Mannes, welche im Kinde ihre Einheit genießen wollen und ein Denkmal daran stiftenˮ (1882 1 [43]5).

‟Gesetzt aber, Schopenhauer hätte ganz im allgemeinen darin recht, daß die Weiber im Zustande der Schwangerschaft eine Selbstgefälligkeit mehr zeigen, als sie sonst zeigen, so läge doch eine Erklärung näher zur Hand als die seinige. Man könnte sich ein Gackern der Henne auch vor dem Legen des Eies denken, des Inhaltes: Seht! seht! Ich werde ein Ei legen! Ich werde ein Ei legen!ˮ (‟Menschlichesˮ 2.2.17).

‟Die Mütter. Die Tiere denken anders über die Weiber als die Menschen; ihnen gilt das Weibchen als das produktive Wesen. Vaterliebe gibt es bei ihnen nicht, aber so etwas wie Liebe zu den Kindern einer Geliebten und Gewöhnung an sie. Die Weibchen haben an den Kindern Befriedigung ihrer Herrschsucht, ein Eigentum, eine Beschäftigung, etwas ihnen ganz Verständliches, mit dem man schwätzen kann: dies alles zusammen ist Mutterliebe, sie ist mit der Liebe des Künstlers zu seinem Werke zu vergleichen. Die Schwangerschaft hat die Weiber milder, abwartender, furchtsamer, unterwerfungslustiger gemacht; und ebenso erzeugt die geistige Schwangerschaft den Charakter der Kontemplativen, welcher dem weiblichen Charakter verwandt ist, es sind die männlichen Mütterˮ (‟Fröhlicheˮ 72).

‟Die Frauen empfinden leicht ihre Männer als ein Fragezeichen ihrer Ehre und ihre Kinder als eine Apologie oder Buße, sie bedürfen der Kinder und wünschen sie sich, in einem ganz andern Sinne, als ein Mann sich Kinder wünscht. Kurz, man kann nicht mild genug gegen die Frauen sein!ˮ (‟Die fröhliche ˮ 71),

3. WEIBER FÜR DIE ZÜCHTUNG DER RASSE

‟Ist es denn wahr, daß die Weiber gerade nur für die stärksten Fleischerburschen Sinn und Neigung haben! Nicht einmal unter den Thieren ist es soˮ (F 1875 12 [22]).

‟Allen Feiglingen die Fortpflanzung verhindern: daß sollte die Moral der Weiber seinˮ (F 1882 3 [1]331).

‟Eine Verbindung eines grossen Centrums von Menschen zur Erzeugung von besseren Menschen ist die Aufgabe der Zukunft. Der Einzelne muss an solche Ansprüche gewöhnt werden, dass, indem er sich selbst bejaht, er den Willen jenes Centrums bejaht z. B. in Bezug auf die Wahl, die er unter den Weibern trifft, über die Art, wie er sein Kind erzieht. Bis jetzt war kein Individuum oder nur die seltensten frei, sie wurden durch solche Vorstellungen auch bestimmt, aber durch schlechte und widerspruchsvolle. Organisation der individuellen Absichtenˮ (F 1875 3 [75]).

‟Man soll die Befriedigung des Triebes nicht zu einer Praxis machen, bei der die Rasse leidet d. h. gar keine Auswahl mehr stattfindet, sondern alles sich paart und Kinder zeugt. Das Aussterben vieler Arten von Menschen ist ebenso wünschenswerth als irgend eine Fortpflanzung. Und man sollte sich durch diese enge Verbindung mit einer Frau seine ganze Entwicklung durchkreuzen und stören lassen um jenes Triebes willen!! Wenn man nicht einmal so enge Freundschaften nützlichˮ (im höchsten Sinne) fände! Die ʽErgänzungʼ des M [annes] durch das Weib zum vollen Menschen ist Unsinn: daraus läßt sich also auch nichts ableiten. Vielmehr: nur heirathen 1) zum Zwecke höherer Entwicklung 2) um Früchte eines solchen Menschenthums zu hinterlassen. Für alle übrigen genügt Concubinat, mit Verhinderung der Empfängniß. Wir müssen dieser plumpen Leichtfertigkeit ein Ende machen. Diese Gänse sollen nicht heirathen! Die Ehen sollen viel seltener werden! Geht durch die großen Städte und fragt euch, ob dies Volk sich fortpflanzen soll! Mögen sie zu ihren Huren gehen! Die Prostitution nicht sentimental! Es soll nicht das Opfer sein, das den Damen oder dem jüdischen Geldbeutel gebracht wird, sondern der Verbesserung der Rasseˮ (F 1880 5 [38]).

‟also durch Paarung gesunder Eltern, richtige Kräftigung der Weiber, gymnastische Übungen, die so sehr gewöhnlich und begehrt sein müssen wie das tägliche Brod, Prophylaxis der Krankheiten, rationelle Ernährung, Wohnung, überhaupt durch Kenntnisse der Anatomie u.s.w.ˮ (F 1876 23 [151]).

‟Das Weib bedeutet demnach für den Staat, was der Schlaf für den Menschenˮ (F 1871 7 [122]). ‟Die Frau ist: Weisheit, Lust, Glück, Leben; Schlafˮ (F 1870 7 [51]); ‟Beim Staat einzelnes auszuführen, das Weib als Schlaf!ˮ (F 1871 7 [51]; cf. F 1871 7 [31]; 7 [51; 7 [122]).

‟Freilich giebt es eine Seite in der platonischen Auffassung des Weibes, die in schroffem Gegensatze zur hellenischen Sitte stand: Plato giebt dem Weibe völlige Theilnahme an den Rechten, Kenntnissen und Pflichten der Männer und betrachtet das Weib nur als das schwächere Geschlecht, das es in Allem nicht gerade weit bringen werde: ohne ihm doch deshalb das Anrecht auf jenes Alles streitig zu machen. Dieser fremdartigen Anschauung haben wir nicht mehr Werth beizulegen als der Vertreibung des Künstlers aus dem Idealstaate […] Sehen wir jetzt davon ab wie er [Plato], um diese Forderung rein durchzuführen, selbst die Ehe aufhob und an deren Stelle feierliche von Staats wegen angeordnete Vermählungen zwischen den tapfersten Männern und den edelsten Frauen setzte, zur Erzielung eines schönen Nachwuchseˮ (F 1871 7 [122]).

‟Die Weiber hatten weiter keine Aufgabe, als schöne, machtvolle Leiber hervorzubringen, in denen der Charakter des Vaters möglichst ungebrochen weiterlebte, und damit der überhandnehmenden Nervenüberreizung einer so hoch entwickelten Kultur entgegenzuwirken. Dies hielt die griechische Kultur verhältnismäßig so lange jung; denn in den griechischen Müttern kehrte immer wieder der griechische Genius zur Natur zurückˮ (‟Menschlichesˮ 259).

‟Die Tödtung des embryo; Beseitigung der Früchte unglücklicher coitus. usw.ˮ (F 1881 11 [97]).

‟Während in sehr vielen Fällen das erste Kind einer Ehe einen genügenden Grund abgiebt, keine weiteren Kinder in die Welt zu setzen: wird doch die Ehe dadurch nicht gelöst, sondern trotz des voraussichtlichen Nachtheils neuer Kinderˮ (zum Schaden aller Späteren!) festgehalten! Wie kurzsichtig! Aber der Staat will und wollte keine bessere Qualität, sondern Masse! Deshalb liegt ihm an der Züchtung der Menschen nichts! Einzelne ausgezeichnete Männer sollten bei mehreren Frauen Gelegenheit haben, sich fortzupflanzen; und einzelne Frauen, mit besonders günstigen Bedingungen, sollten auch nicht an den Zufall Eines Mannes gebunden sein. Die Ehe wichtiger zu nehmen! Weil der Staat nicht mehr nöthig istˮ (F 1881 11 [179]).

‟Es gibt keine Solidarität in einer Gesellschaft, wo es unfruchtbare, unproduktive und zerstörerische Elemente gibt: die übrigens noch entartetere Nachkommen haben werden, als sie selbst sindˮ (‟Nachlassˮ 52).

‟Tatsächlich paart sich das Schönste mit sehr enterbten Kreaturen, das Größte mit dem Kleinsten. Fast immer sehen wir Männchen und Weibchen von jeder zufälligen Begegnung profitieren und sich ganz und gar nicht wählerisch zeigenˮ (‟Nachlassˮ 684).

‟Zur Verbesserung der Welt. Wenn man den Unzufriedenen, Schwarzgalligen und Murrköpfen die Fortpflanzung verwehrte, so könnte man schon die Erde in einen Garten des Glücks verzaubern. Dieser Satz gehört in eine praktische Philosophie für das weibliche Geschlechtˮ (‟Menschlichesˮ , 2.1.278)

‟Die Gesellschaft soll in zahlreichen Fällen der Zeugung vorbeugen: sie darf hierzu, ohne Rücksicht auf Herkunft, Rang und Geist, die härtesten Zwangs-Maßregeln, Freiheits-Entziehungen, unter Umständen Kastrationen in Bereitschaft halten. Das Bibel-Verbot ʽdu sollst nicht töten!ʼ ist eine Naivität im Vergleich zum Ernst des Lebens-Verbots an die décadents: ʽihr sollt nicht zeugen!ʼ... Das Leben selbst erkennt keine Solidarität, kein ʽgleiches Rechtʼ zwischen gesunden und entartenden Teilen eines Organismus an: letztere muß man ausschneiden, oder das Ganze geht zugrunde. Mitleiden mit den décadents, gleiche Rechte auch für die Mißratenen, das wäre die tiefste Unmoralität, das wäre die Widernatur selbst als Moral!ˮ (‟Nachlassˮ 734; 52).

‟Endlich ein Verbot an die Sudra-Frauen, den Tschandala- Frauen bei der Geburt beizustehn, insgleichen noch eins für die letzteren, einander dabei beizustehn... Der Erfolg einer solchen Sanitäts-Polizei blieb nicht aus: mörderische Seuchen, scheußliche Geschlechtskrankheiten und daraufhin wieder ʽdas Gesetz des Messersʼ, die Beschneidung für die männlichen, die Abtragung der kleinen Schamlippen für die weiblichen Kinder anordnend. Manu selbst sagt: ʽdie Tschandala sind die Frucht von Ehebruch, Inzest und Verbrechenʼ (dies die notwendige Konsequenz des Begriffs Züchtung)ˮ (‟Götzenˮ. Die ‚Verbessernʼ3. ‟Antichristˮ 51-60; ‟Nachlassˮ143.716.742.142; Nietzsche liest einen Kommentar über Manu, und begeht, wie gewöhnlich, eine grobe Manipulation. Cf.: Indian History Sourcebook: The Laws of Manu, c. 1500 BCE translated by G. Buhler; http://www.books.google.com ‟Institutes of Hindu Law: or de Ordinances of Menuˮ).

‟Reichtum als Ursprung eines Geblütsadels. Der Reichtum erzeugt notwendig eine Aristokratie der Rasse, denn er gestattet die schönsten Weiber zu wählen, die besten Lehrer zu besolden, er gönnt dem Menschen Reinlichkeit, Zeit zu körperlichen Übungen, und vor allem Abwendung von verdumpfender körperlicher Arbeitˮ (‟Menschlichesˮ 479).

‟Welche Eigenschaften des Menschen ungünstig für Selection sind, also von Weibern nicht bevorzugt werden? Bücher sind Mittel, sie doch fortzupflanzenˮ (F 1880 10 [B41]).

‟Im Orient und im Athen der besten Jahrhunderte schloß man die Frauen ab, man wollte die Phantasie-Verderbniß des Weibes nicht: das verdirbt die Rasse, mehr als der leibliche Verkehr mit einem Manneˮ (F 1884 26 [362]).

‟Bei der Ehe im adeligen, altadeligen Sinne des Wortes handelte es sich um Züchtung einer Rasse (gibt es heute noch Adel? Quaeritur) ,also um Aufrechterhaltung eines festen, bestimmten Typus herrschender Menschen: diesem Gesichtspunkt wurde Mann und Weib geopfertˮ (‟Nachlassˮ 732; Frau und Eugenik (F 1885 34 [25]; F 1885 8 [3]). (Cf. ‟Nietzsche rassistˮ ‟Nietzsche Verbrecherˮ).

‟Und, so wie die Weiber sind, würden sie sich, wenn man sie allein ließe, aus ihrer Schwäche heraus nicht nur beständig ʽMännerʼ erschaffen, sondern auch ʽGötterʼ, und beide, wie zu vermuthen steht, einander ähnlich: als Ungeheuer von Kraft!ˮ (F 1882 1 [110]).

‟Meine Brüder, ich weiß keinen Trost für das Weib als ihr zu sagen: ʽauch du kannst den Übermenschen gebärenʼˮ (F 1882 4 [100]).

‟Immerhin, schon als unruhiger Maulwurf unter dem Boden einer in Dummheit rollenden Gesellschaft wird der Sozialismus etwas Nützliches und Heilsames sein können: […] er zwingt die Europäer, Geist, nämlich List und Vorsicht übrigzubehalten, den männlichen und kriegerischen Tugenden nicht gänzlich abzuschwören, er schützt Europa einstweilen vor dem ihm drohenden marasmus femininusˮ (‟Nachlassˮ 125).

4. DER WILLE ZUM LEBEN IST DER WILLE ZUM KOITUS

‟Es ist ein und dieselbe Kraft, die man in der Kunst-Konzeption und die man im geschlechtlichen Aktus ausgibt: es gibt nur eine Art Kraftˮ (‟Nachlassˮ 815 [1888]; cf. ‟Nachlassˮ 1050).

‟Das Anzeichen des steten Daseins des Willens zum Leben in der Zeit, sagt er [Schopenhauer], ist der Koitusˮ (‟Menschlichesˮ 2.17).

‟Unterschätzen wir es namentlich nicht, daß Schopenhauer, der die Geschlechtlichkeit in der Tat als persönlichen Feind behandelt hat (einbegriffen deren Werkzeug, das Weib, dieses ʽinstrumentum diaboliʼ), Feinde nötig hatte, um guter Dinge zu bleiben; daß er die grimmigen galligen schwarzgrünen Worte liebte; daß er zürnte, um zu zürnen, aus Passion; daß er krank geworden wäre, Pessimist geworden wäreˮ (denn er war es nicht, so sehr er es auch wünschte) ohne seine Feinde, ohne Hegel, das Weib, die Sinnlichkeit und den ganzen Willen zum Dasein, Dableiben (‟Genealogieʼ 3.7;Cf. ‟Nachlassˮ 1050). Cf. von Schopenhauer: ‟Der Coitus ist hauptsächlich die Sache des Mannes; die Schwangerschaft ganz allein des Weibesˮ (A.Schopenhauer, in ‟Nachträge zur Lehre von der Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben. Kapitel. XIV). ‟Hat man denn nicht bemerkt, wie illico post coitum cachinnus auditur Diaboli?. Gleich nach dem Coitus hört man das Lachen des Teufelsˮ ˮ (A.Schopenhauer: ‟Vereinzelte, jedoch systematisch geordnete Gedanken §166. Kapitel XIV. Nachträge zur Lehre von der Bejahung und Verneinung des Willens zum Lebenˮ).

‟Um ein kurioses Beispiel für Textverderbnis und Verdunkelung des Autors zu geben, so mögen hier Schopenhauers Gedanken über die Schwangerschaft der Weiber stehen. Das Anzeichen des steten Daseins des Willens zum Leben in der Zeit, sagt er, ist der Koitus; das Anzeichen des diesem Willen aufs neue zugesellten, die Möglichkeit der Erlösung offenhaltenden Lichtes der Erkenntnis, und zwar im höchsten Grade der Klarheit, ist die erneuerte Menschwerdung des Willens zum Leben. Das Zeichen dieser ist die Schwangerschaft, welche daher frank und frei, ja stolz einhergeht, während der Koitus sich verkriecht wie ein Verbrecher. Er behauptet, daß jedes Weib, wenn beim Generationsakt überrascht, vor Scham vergehn möchte, aber 'ihre Schwangerschaft, ohne eine Spur von Scham, ja mit einer Art Stolz, zur Schau trägt'ˮ (‟Menschliches, Allzumenschlichesˮ 2.2.17; cf. A.Schopenhauer, ˮ Vereinzelte, jedoch systematisch geordnete Gedanken [...]Kapitel XIV.Nachträge zur Lehre von der Bejahung und Verneinung des Willens zum Leben, V343ˮ).

‟(Ich erinnere noch, gegen Schopenhauer und zu Ehren Platos, daran, daß auch) die ganze höhere Kultur und Literatur des klassischen Frankreichs auf dem Boden des geschlechtlichen Interesses aufgewachsen ist. Man darf überall bei ihr die Galanterie, die Sinne, den Geschlechts-Wettbewerb, ʽdas Weibʼ suchen, man wird nie umsonst suchen...ˮ (‟Götzenˮ. Streifzüge 24; cf. ‟cherchez la femmeˮ, A.Dumas).

D. DAS WEIB IST BARBARISCHER ALS DER MANN

‟Vom Weibe. 13. Verneinen, zerstören, allein sein, kämpfen, verachten, sich rächen: warum das Weib in alledem barbarischer ist als der Mann usw. usw. usw.ˮ (F 1882 1 [111]13; F 1882 1 [50]). ‟In der Rache und in der Liebe ist das Weib barbarischer als der Mannˮ (‟Jenseits, 139). "Im Verneinen, Zerstören, Hassen, Sich-Rächen ist das Weib barbarischer als der Mann" (F 1882 3 [1]17).

‟die Frauen immer weniger civilisirt als die Männer: im Grunde der Seele wild; sie leben im Staate wie die Katzen im Hause, immer bereit zur Thür oder zum Fenster hinauszuspringen und in ihr Element zurückzukehrenˮ (F 1884 25 [92]).

1. DER KRIEG DER GESCHLECHTER

‟Ich löse dich von der Kette: stirb! Und man sah das Weib lächeln indem es starbˮ (F 1882 4 [131]).

‟Das Weib, je mehr Weib es ist, wehrt sich ja mit Händen und Füßen gegen Rechte überhaupt: der Naturzustand, der ewige Krieg zwischen den Geschlechtern gibt ihm ja bei weitem den ersten Rang. Hat man Ohren für meine Definition der Liebe gehabt? es ist die einzige, die eines Philosophen würdig ist. Liebe, in ihren Mitteln der Krieg, in ihrem Grunde der Todhaß der Geschlechterˮ (‟Ecce homoˮ Warum ich so gute Bücher schreibe 5; ‟Der Fall Wagnerˮ Der Fall Wagner 2).

‟Die gleichen Affekte sind bei Mann und Weib doch im Tempo verschieden: deshalb hören Mann und Weib nicht auf, sich mißzuverstehn. (‟Jenseitsˮ 85; 86; F 1882 3 [1]20).

‟Wer leidet mehr? Nach einem persönlichen Zwiespalt und Zanke zwischen einer Frau und einem Manne leidet der eine Teil am meisten bei der Vorstellung, dem anderen wehgetan zu haben; während jener am meisten bei der Vorstellung leidet, dem anderen nicht genug wehgetan zu haben, weshalb er sich bemüht, durch Tränen, Schluchzen und verstörte Mienen ihm noch hinterdrein das Herz schwer zu machenˮ (‟Menschlichesˮ 420).

‟Unbekümmert, spöttisch, gewalttätig, so will uns die Weisheit: sie ist ein Weib, sie liebt immer nur einen Kriegsmann. Also sprach Zarathustra1Was bedeuten asketische Ideale? Bei Künstlern nichts oder zu vielerlei; bei Philosophen und Gelehrten etwas wie Witterung und Instinkt für die günstigsten Vorbedingungen hoher Geistigkeit; bei Frauen, bestenfalls, eine Liebenswürdigkeit der Verführung mehr, ein wenig morbidezza auf schönem Fleische, die Engelhaftigkeit eines hübschen fetten Tiersˮ (‟Fröhlicheˮ Dritte Abhandlung: Was bedeuten asketische Ideale?; ‟Also sprach Zarathustraˮ Vom Lesen und Schreiben; F 1882 3 [1]437).

‟Die großen Ereignisse: Sieg des Mannes über das Weib (kriegerisch, Herrenrecht. Sieg des Friedens über den Kriegˮ (F 1887 8 [6]).

‟Wenn Männer mit starken geistigen Bedürfnissen an die Verbindung mit Frauen denken, so überkommt sie das Gefühl als ob sie sich einem Netz näherten, welches sich immer mehr zusammenzieht, und sie argwöhnen einen immer währenden Zwang, ja zuletzt, wenn es sich um Erziehung der Kinder handelt, einen immer neu auflodernden Kampfˮ (F 1877 23 [20]).

‟Wenn ein Weib zu Kindern kommen will, läßt es gewöhnlich nicht die Kindlein zu sich kommen, sondern die Männer!ˮ sagte eine alte Hebammeˮ (F 185 1 [101]).

‟Die Aufgabe des Weibes ist, das Kind im Manne zu entdecken und zu erhalten‟ (F 1882 3 [1 [440-444]).

‟Die Pflege der Kinder theils zurückbildend, theils allzu sehr entkindlichend. Weiblicher Rationalismusˮ (F 1882 1 [50]). ‟In wiefern die Weiber den Mann als Kind behandelnˮ (F 1882 1 [111]7). ‟Die Pflege der Kinder theils zurückbildend, theils allzu sehr entkindlichend. Weiblicher Rationalismusˮ (F 1882 1 [50] 8). ‟Die Pflege der Kinder, theils zurückbildend und hemmend, theils allzusehr entkindlichend (der weibl. Rationalism) In wiefern die Weiber den Mann als Kind behandelnˮ (F 1884 1 [111)]).

‟Es entkindlicht die Weiber, daß sie sich mit Kindern immer als deren Erzieher abgebenˮ (F 1883 12 [1]145).

‟Zweierlei will der ächte Mann: Gefahr und Spiel. Deshalb will er das Weib, als das gefährlichste Spielzeugˮ (F 1882 3 [1 [440-444]).

‟Das Weib lernt hassen, in dem Maße, in dem es zu bezaubern, verlerntˮ (‟Jenseitsˮ, 84).

‟Recht haben bei den zwei Geschlechtern. Gibt man einem Weibe zu, daß es recht habe, so kann es sich nicht versagen, erst noch die Ferse triumphierend auf den Nacken des Unterworfenen zu setzen,, es muß den Sieg auskosten; während Mann gegen Mann sich in solchem Falle gewöhnlich des Rechthabens schämt. Dafür ist der Mann an das Siegen gewöhnt, das Weib erlebt damit eine Ausnahmeˮ (‟Menschlichesˮ 2.291).

‟Wenn ein Weib einen Mann angreift, so ist es nur um sich vor einem Weibe zu verteidigen. Wenn ein Mann mit einem Weibe Freundschaft schließt, so meint es, er thue es, weil er nicht mehr erreichen könneˮ (F 1882 5 [1]19).

‟Wenn Männer mit starken geistigen Bedürfnissen an die Verbindung mit Frauen denken, so überkommt sie das Gefühl als ob sie sich einem Netz näherten, welches sich immer mehr zusammenzieht, und sie argwöhnen einen immer währenden Zwang, ja zuletzt, wenn es sich um Erziehung der Kinder handelt, einen immer neu auflodernden Kampfˮ (F 1876 23 [20]).

‟Wären wir nicht M. der Rache, so wären wir viel zufriedener: wie es im allgemeinen die Frauen sind, da in diesen das Rachegefühl nicht so stark istˮ (F 1880 6 [300]).

‟Weiberfeinde. ʽDas Weib ist unser Feindʼ– wer so als Mann zu Männern spricht, aus dem redet der ungebändigte Trieb, der nicht nur sich selber, sondern auch seine Mittel haßtˮ (‟Morgenröteˮ , 346).

‟Wann werden Mann und Weib aufhören, sich mißzuverstehen? Ihre Leidenschaften gehen einen verschiedenen Schritt, sie messen die Zeit nach anderem Maßeˮ (F 1883 22 [3]).

‟Würde uns ein Weib festhalten (oder wie man sagt ʽfesselnʼ) können, dem wir nicht zutrauten, daß es unter Umständen den Dolch (irgendeine Art von Dolch) gegen uns gut zu handhaben wüßte? Oder gegen sich: was in einem bestimmten Falle die empfindlichere Rache wäre (die chinesische Rache)ˮ (‟Fröhlicheˮ 69).

‟Napoleon war Träumer, schweigsam, im Verkehr mit Frauen gezwungen, aber passionirt und hinreißend, obschon fremdartig in seiner ganzen Person, als er jung war. Seine Anfälle von düsterer und drohender Eifersuchtˮ (F 1880 6 [90]). "Wenn er einen Dienst bezahlte, ließ er merken, daß er einen neuen kaufte. Er wollte niemals die Schulden seiner Frau in Ordnung bringen, um Gelegenheiten sich zu erhalten, sie zu beunruhigenˮ (F1880 6 [100]).

‟Raub dir das Weib, für das dein Herze fühlt!ʼ So denkt der Mann; das Weib raubt nicht, es stiehltˮ (‟Die fröhlicheˮ Scherz, List und Rache 22).

‟Das Weib ein Eigenthum, welches der Stärkere jederzeit dem Schwächeren nehmen kann. Wettkampf der Stärke entscheidet. Nur die Häuptlinge und Priester haben die schönen Frauen. Junge Leute müssen sich mit alten Weiblein begnügen. Der Raub die regelmäßige Form zu einem Weib zu gelangenˮ (F 1883 8 [6] ʽWeiber-Verwandtschaftʼ [Chinesiches Gesetzbuch]; cf. Albert Hermann Post, 1880).

‟Ein Weib ist das Geschöpf, welches seinen Feind und Räuber lieben soll, und liebtˮ (F 1882 12 [55]).

‟Fehlschluß, Fehlschuß. Er kann sich nicht beherrschen: und daraus schließt jene Frau, es werde leicht sein, ihn zu beherrschen, und wirft ihre Fangseile nach ihm aus; die Arme, die in Kürze seine Sklavin sein wirdˮ (‟Fröhlicheˮ 227).

‟Einige Männer haben über die Entführung ihrer Frauen geseufzt, viele darüber, daß Niemand sie ihnen entführen wollteˮ (F 1883 12 [1] 20 = ‟Menschlichesˮ 388).

‟Das Weib will genommen, angenommen werden als Besitz, will aufgehn in den Begriff ʽBesitzʼ, ʽbesessenʼ; folglich will es einen, der nimmt, der sich nicht selbst gibt und weggibt, der umgekehrt vielmehr gerade reicher an ʽsichʼ gemacht werden soll, durch den Zuwachs an Kraft, Glück, Glaube, als welchen ihm das Weib sich selbst gibt. Das Weib gibt sich weg, der Mann nimmt hinzuˮ (‟Fröhlicheˮ 363).

‟Würdig schien mir dieser Mann und reif für den Sinn der Erde: aber als ich sein Weib sah, schien mir die Erde ein Haus für Unsinnigeˮ (‟Alsoˮ, Von Kind und Ehe).

‟für gewöhnlich ein Mensch ohne Gehalt und Inhalt, ein ʽselbstloserʼ Mensch. Folglich auch nichts für Weiber, in parenthesiˮ (‟Jenseitsˮ, 207 Ende).

‟das Weib (sucht den Mann)ˮ (F 1884 29 [14]) ‟die ganze höhere Kultur und Literatur des klassischen Frankreichs auf dem Boden des geschlechtlichen Interesses aufgewachsen ist. Man darf überall bei ihr die Galanterie, die Sinne, den Geschlechts-Wettbewerb, ʽdas Weibʼ suchen, man wird nie umsonst suchen...ˮ (‟Götzenˮ. Streifzüge 23; Cf. ‟cherchez la femmeˮ: A.Dumas, ‟Les mohicans de Parisˮ).

‟Frauenfreundschaft. Frauen können recht gut mit einem Manne Freundschaft schließen; aber um diese aufrecht zu erhalten, dazu muß wohl eine kleine physische Antipathie mithelfenˮ (‟Menschlichesˮ 390).

‟Wenn ein Mann inmitten seines Lärms steht […] Der Zauber und die mächtigste Wirkung der Frauen ist, um die Sprache der Philosophen zu reden, eine Wirkung in die Ferne, eine actio in distans: dazu gehört aber, zuerst und vor allem ,Distanz!ˮ (‟Fröhlicheˮ 60).

‟Dem Sieger gehört der Besiegte, mit Weib und Kind, Gut und Blut. Die Gewalt gibt das erste Rechtˮ (Fünf Vorreden. Der griechische Stadt; cf. Homes Vettkampf. Vorrede; ‟Zur Genealogieˮ 2.5).

‟In ritterlichen Zeitaltem wird der Mann um so artiger und huldvoller gegen alle Frauen, je stolzer und furchtbarer er gegen alle Männer erscheint; nur so lockt er das Weibchenˮ (F 1880 3 [88]152).

‟Die Muskelkraft eines Mädchens wächst, sobald nur ein Mann in seine Nähe kommt; es gibt Instrumente, dies zu messenˮ (‟Nachlassˮ 807).

‟Weiberfeinde. ‟Das Weib ist unser Feindʼ, wer so als Mann zu Männern spricht, aus dem redet der ungebändigte Trieb, der nicht nur sich selber, sondern auch seine Mittel haßtˮ (‟Morgenröteˮ 346).

‟Eine Frau, die begreift, daß sie den Flug ihres Mannes hemmt, soll sich trennen, warum hört man von diesem Akt der Liebe nicht?ˮ (F 1880 6 [296]).

‟Frauen im Haß. Im Zustande des Hasses sind Frauen gefährlicher als Männer; zuvörderst weil sie durch keine Rücksicht auf Billigkeit in ihrer einmal erregten feindseligen Empfindung gehemmt werden, sondern ungestört ihren Haß bis zu den letzten Konsequenzen anwachsen lassen, sodann weil sie darauf eingeübt sind, wunde Stellen (die jeder Mensch, jede Partei hat) zu finden und dorthinein zu stechen: wozu ihnen ihr dolchspitzer Verstand treffliche Dienste leistet (während die Männer beim Anblick von Wunden zurückhaltend, oft großmütig und versöhnlich gestimmt werden)ˮ (‟Menschlichesˮ 414).

‟Man höre nur den Ton, in welchem Männer im Verkehre mit ganzen Gruppen von Männern zu reden pflegen, es ist als ob der Grundbaß aller Rede der sei: ʽdas bin ich, das sage ich, nun haltet davon, was ihr wollt!ʼ Dies ist der Grund, weshalb geistreiche Frauen bei dem, welcher sie in der Gesellschaft kennenlernte, meistens einen befremdenden, peinlichen, abschreckenden Eindruck hinterlassen: es ist das Reden zu vielen, vor vielen, welches sie aller geistigen Liebenswürdigkeit beraubt und nur das bewußte Beruhen auf sich selbst, ihre Taktik und die Absicht auf öffentlichen Sieg in grellem Lichte zeigt: während dieselben Frauen im Zwiegespräche wieder zu Weibern werden und ihre geistige Anmut wiederfindenˮ (‟Menschlichesˮ 374).

‟Man muß aufhören, sich essen zu lassen, wenn man am besten schmeckt, so heißt das Geheimniß der Frauen, welche lange geliebt werdenˮ (F 1882 3 [1]365).

2. UNGLEICHHEIT DER GESCHLECHTER

‟der Mann ist im Grunde der Seele nur böse, das Weib aber ist dort schlechtˮ (‟Zarathustraˮ Von alten und jungen Weiblein). ‟Der beste Mann ist böse, das beste Weib ist schlechtˮ (F 1882 4 [18]; ‟schlechtˮ ist der despektivischstes für Nietzsche).

‟kriegstüchtig, gebärtüchtig: so will ich Mann und Weib: Es ist nicht der beste Geschmack, der Alles zu schmecken weiß: ich liebe die widerspänstigen wählerischen Magen und Zungen, die ʽIchʼ sagen. Niemand will sie geschenkt: so muß sie sich schon verkaufen!ˮ (F 1883 22 [7]). ‟So will ich Mann und Weib: kriegstüchtig den einen, gebärtüchtig das andre, beide aber tanztüchtig mit Kopf und Beinenˮ (‟Alsoˮ Von alten 23).

‟Mann und Weib im ganzen verglichen, darf man sagen: das Weib hätte nicht das Genie des Putzes, wenn es nicht den Instinkt der zweiten Rolle hätteˮ (‟Jenseitsˮ Sprüche 145).

‟Die männlichen und, die weiblichen Affekte sind im Tempo verschieden: deshalb hören Mann und Weib nie auf, sich mißzuverstehenˮ (F 1882 3 [1]23).

‟Was heißt ʽwollenʼ? die Frauen können nach Willen weinen. Die Männer können auch weinen wollen, aber der Effekt bleibt ausˮ (F 1880 8 [87]).

‟Skeptiker. Ich fürchte, daß altgewordene Frauen im geheimsten Versteck ihres Herzens skeptischer sind als alle Männerˮ (‟Fröhlicheˮ 2.64).

‟Das Glück des Mannes heißt ʽich willʼ, das Glück des Weibes ʽich mußˮ (F 1882 5 [1]117)

‟Schöner ist das Frauenzimmer, Interessanter ist der Mann!ˮ (F 1882 19 [10]). ‟Züchtung der Griechen. Die Männer schöner als die Frauenˮ (F 1881 12 [183]). ‟die Leidenschaft für die männliche nackte Schönheit ist!ˮ (‟Morgenröteˮ 170).

‟Bei den Tieren gilt das männliche Geschlecht als das schöneˮ (‟Fröhlicheˮ 72; F 8 [6]).

‟Die Weiber verstehen die Kinder besser, aber die Männer sind kindlicher als die Weiberˮ (F 1882 3 [1]28).

‟Die Verschiedenheit der Menschen zeigt sich nicht nur in der Verschiedenheit ihrer Gütertafeln […] In betreff eines Weibes zum Beispiel gilt dem Bescheideneren schon die Verfügung über den Leib und der Geschlechtsgenuß als ausreichendes und genugtuendes Anzeichen des Habens, des Besitzens; ein anderer, mit seinem argwöhnischeren und anspruchsvolleren Durste nach Besitz, sieht das ʽFragezeichenʼ, das nur Scheinbare eines solchen Habens, und will feinere Proben, vor allem, um zu wissen, ob das Weib nicht nur ihm sich gibt, sondern auch für ihn läßt, was sie hat oder gerne hätte: so erst gilt es ihm als ʽbesessenʼ. Ein Dritter aber ist auch hier noch nicht am Ende seines Mißtrauens und Habenwollens, er fragt sich, ob das Weib, wenn es alles für ihn läßt, dies nicht etwa für ein Phantom von ihm tut: er will erst gründlich, ja abgründlich gut gekannt sein, um überhaupt geliebt werden zu können, er wagt es, sich erraten zu lassenˮ (‟Jenseitsˮ 194).

‟Die Frauen sind sinnlicher als die Männer, aber sie wissen weniger um ihre Sinnlichkeitˮ (F 1883 12 [1] 92).

‟Und dies geschieht so instinktiv, daß liebende Frauen diese Verstellung und beständige zarteste Betrügerei ableugnen und kühn behaupten, die Liebe mache gleich (das heißt sie tue ein Wunder!)ˮ (‟Morgenröteˮ 532).

‟Wille und Willigkeit. Man brachte einen Jüngling zu einem weisen Mann und sagte: ʽSiehe, das ist einer, der durch die Weiber verdorben wird!ʼ Der weise Mann schüttelte den Kopf und lächelte. ʽDie Männer sind esʼ, rief er, ʽwelche die Weiber verderben: und alles, was die Weiber fehlen, soll an den Männern gebüßt und gebessert werden, denn der Mann macht sich das Bild des Weibes, und das Weib bildet sich nach diesem Bildeʼ. ʽDu bist zu mildherzig gegen die Weiberʼ, sagte einer der Umstehenden, ʽdu kennst sie nicht!ʼ Der weise Mann antwortete: ʽDes Mannes Art ist Wille, des Weibes Art Willigkeit, so ist es das Gesetz der Geschlechter, wahrlich! ein hartes Gesetz für das Weib! Alle Menschen sind unschuldig für ihr Dasein, die Weiber aber sind unschuldig im zweiten Grade: wer könnte für sie des Öls und der Milde genug haben ʽWas Öl! Was Milde!ʼ rief ein andrer aus der Menge: ʽman muß die Weiber besser erziehn!ʼ, ʽMan muß die Männer besser erziehnʼ, sagte der weise Mann und winkte dem Jünglinge, daß er ihm folge. Der Jüngling aber folgte ihm nichtˮ (‟Fröhlicheˮ Fähigkeit zur Rache 2.68-69)

‟Ja, ein schwaches Geschlecht!ˮ […] Das Gefühl der Schwäche, im äußersten Maaße empfunden, findet geradezu überall Stärke und dichtet Kraft in jedes Außer-sich hinein, mit dem es sich berührt: und wenn das Auge widersprechen sollte, so wird das Auge, zugemacht! […] Das schwächste Weib wird aus jedem Manne einen Gott machen: und ebenso aus jedem Gebot der Sitte und Religion etwas Heiliges, Unantastbares, Letztes, Anbetungswürdigesˮ (F 1882 1 [110]).

‟die großen Probleme, gesetzt selbst, daß sie sich fassen lassen, lassen sich von Fröschen und Schwächlingen nicht halten, das ist ihr Geschmack seit Ewigkeit, ein Geschmack übrigens, den sie mit allen wackeren Weiblein teilenˮ (‟Fröhlicheˮ Moral asl Problem).

‟Die Stärke der Schwachen. Alle Frauen sind fein darin, ihre Schwäche zu übertreibenˮ (‟Fröhlicheˮ 66).

‟Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: laß es nicht zu, daß uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!ˮ (‟Alsoˮ Unter Töchtern 1).

‟Wir nehmen das nicht so genau: Mit tausend Schritten machts die Frau; / Doch wie sie auch sich eilen kann, / Mit einem Sprunge machts der Mannˮ (‟Die Geburtˮ 9).

‟in der Kunst, als ʽschmückendeʼ Gewalt: wie der Mann das Weib sieht, indem er ihr gleichsam alles zum Präsent macht, was es von Vorzügen gibt, so legt die Sinnlichkeit des Künstlers in ein Objekt, was er sonst noch ehrt und hochhält, dergestalt vollendet er ein Objekt (‟idealisiertʼ es). Das Weib, unter dem Bewußtsein, was der Mann in bezug auf das Weib empfindet, kommt dessen Bemühen nach Idealisierung entgegen, indem es sich schmückt, schön geht, tanzt, zarte Gedanken äußert: insgleichen übt sie Scham, Zurückhaltung, Distanz, mit dem Instinkt dafür, daß damit das idealisierende Vermögen des Mannes wächstˮ (‟Nachlassˮ 806).

‟Die Erfolglosen. Jenen armen Frauen fehlt es immer an Erfolg, welche in Gegenwart dessen, den sie lieben, unruhig und unsicher werden und zu viel reden; denn die Männer werden am sichersten durch eine gewisse heimliche und phlegmatische Zärtlichkeit verführtˮ (‟Fröhlicheˮ 74).

‟Urzustände in der Rede nachklingend […] bei einigen Männern poltert eine Behauptung herab wie ein derber Knüttel. Frauen dagegen sprechen so wie Wesen, welche Jahrtausende lang am Webstuhl saßen oder die Nadel führten oder mit Kindern kindisch warenˮ (‟Menschlichesˮ 342).

‟Das vollkommene Weib. Das vollkommene Weib ist ein höherer Typus des Menschen als der vollkommene Mann: auch etwas viel Selteneres. Die Naturwissenschaft der Tiere bietet ein Mittel, diesen Satz wahrscheinlich zu machenˮ (‟Menschlichesˮ 1.377).

‟Durch nichts erleichtern bedeutende Frauen ihren Männern, falls diese berühmt und groß sind, das Leben so sehr, als dadurch, daß sie gleichsam das Gefäß der allgemeinen Ungunst und gelegentlichen Verstimmung der übrigen Menschen werden. Die Zeitgenossen pflegen ihren großen Männern viel Fehlgriffe und Narrheiten, ja Handlungen grober Ungerechtigkeit nachzusehen, wenn sie nur jemanden finden, den sie als eigentliches Opfertier zur Erleichterung ihres Gemütes mißhandeln und schlachten dürfen. Nicht selten findet eine Frau den Ehrgeiz in sich, sich zu dieser Opferung anzubieten, und dann kann freilich der Mann sehr zufrieden sein, falls er nämlich Egoist genug ist, um sich einen solchen freiwilligen Blitz-, Sturm- und Regenableiter in seiner Nähe gefallen zu lassen. (‟Menschlichesˮ 430).

‟Funktion-Werden-Wollen: weibliches Ideal der Liebe. Das männliche Ideal ist Assimilation und Überwältigung oder Mitleid (Anbetung des leidenden Gottes)ˮ (F 1882 1 [70]).

‟Wären die Weiber so beflissen auf die Schönheit der Männer, so würden endlich der Regel nach die Männer schön und eitel sein, wie es jetzt der Regel nach die Weiber sind. Es zeigt die Schwärmerei und vielleicht die höhere Gesinnung des Mannes, dass er das Weib schön will. Es zeigt den größeren Verstand und die Nüchternheit der Weiber (vielleicht auch ihren Mangel an ästhetischem Sinne), dass die Weiber auch die hässlichen Männer annehmen; sie sehen mehr auf die Sache, das heisst hier: Schutz, Versorgung; die Männer mehr auf den schönen Schein, auf Verklärung der Existenz, selbst wenn diese dadurch mühsäliger werden sollteˮ (F 1876 18 [43]131).

‟Vermöge der Liebe sucht der Mann die unbedingte Sklavin, das Weib die unbedingte Sklaverei, Liebe ist das Verlangen nach einer vergangenen Cultur und Gesellschaftˮ (F 1882 2 [14]).

‟Dieses Jahrhundert liebt es, den geistigsten Männern einen Geschmack für unreife, geistig arme und demüthige Volks-Weiberchen zuzusprechen, den Geschmack Faustens für Gretchen, dies zeugt wider den Geschmack des Jahrhunderts und seiner geistigsten Männerˮ (F 1883 5 [1]17).

‟Männliches und weibliches Temperament und die Sterblichkeit. Daß das männliche Geschlecht ein schlechteres Temperament hat als das weibliche, ergibt sich auch daraus, daß die männlichen Kinder der Sterblichkeit mehr ausgesetzt sind, als die weiblichen, offenbar weil sie leichter‚ aus der Haut fahren': ihre Wildheit und Unverträglichkeit verschlimmert alle Übel leicht bis ins Tödlicheˮ (‟Menschlichesˮ 2.2.274).

‟Das Weib, unter dem Bewußtsein, was der Mann in bezug auf das Weib empfindet, kommt dessen Bemühen nach Idealisierung entgegen […] gerade die naive wirkliche Schamhaftigkeit den Mann am meisten verführt und zur Überschätzung drängt. Darum ist das Weib naiv, aus Feinheit des Instinkts, welcher ihr die Nützlichkeit des Unschuldigseins anrätˮ (‟Nachlassˮ 806).

‟Liebe ist für Männer etwas ganz Anderes als für Frauen. Den Meisten wohl ist Liebe eine Art Habsucht; den übrigen Männern ist Liebe die Anbetung einer leidenden und verhüllten Gottheit. Wenn Freund Rée dies läse, würde er mich für toll haltenˮ (F 1882 1 [108]).

‟Eure Liebe zum Weibe und des Weibes Liebe zum Manne: ach, möchte sie doch Mitleiden sein mit leidenden und verhüllten Göttern! Aber zumeist erraten zwei Tiere einanderˮ (‟Alsoˮ Die Reden Zarathustras. Von Kind und Ehe).

3. ZWISCHEN LIEBE UND GEWALT

‟Ihm also wird man einmal es zurechnen dürfen, daß der Mann in Europa wieder Herr über den Kaufmann und Philister geworden ist; vielleicht sogar über ʽdas Weibʼ, das durch das Christentum und den schwärmerischen Geist des achtzehnten Jahrhunderts, noch mehr durch die ʽmodernen Ideenʼ verhätschelt worden istˮ (‟Fröhlicheˮ 362).

‟Der Unstete, Verzweifelte findet durch die erbarmende Liebe eines Weibes, das lieber sterben als ihm untreu sein will, die Erlösung von seiner Qual: das Motiv des fliegenden Holländers. Die Liebende, allem eignen Glück entsagend, wird in einer himmlischen Wandlung von amor in caritas, zur Heiligen, und rettet die Seele des Geliebten: Motiv des Tannhäuserˮ (‟Unzeitgemässeˮ R.Wagner 11).

‟Die Quelle der großen Liebe. Woher die plötzlichen Leidenschaften eines Mannes für ein Weib entstehen, die tiefen, innerlichen? Aus Sinnlichkeit allein am wenigsten; aber wenn der Mann Schwäche, Hilfsbedürftigkeit und zugleich Übermut in einem Wesen zusammen findet, so geht etwas in ihm vor, wie wenn seine Seele überwallen wollte: er ist im selben Augenblick gerührt und beleidigt. Auf diesem Punkte entspringt die Quelle der großen Liebeˮ (‟Menschlichesˮ 287).

‟Eine Männer-Krankheit. Gegen die Männer-Krankheit der Selbstverachtung hilft es am sichersten, von einem klugen Weibe geliebt zu werdenˮ (‟Menschlichesˮ 384).

‟Liebe ist für Männer etwas ganz Anderes als für Frauen. Den Meisten wohl ist Liebe eine Art Habsucht; den übrigen Männern ist Liebe die Anbetung einer leidenden und verhüllten Gottheitˮ (F 1882 1 [108]6).

‟Moral als Selbstzerteilung des Menschen. […] Das liebende Mädchen wünscht, daß sie die hingebende Treue ihrer Liebe an der Untreue des Geliebten bewähren könneˮ (‟Menschlichesˮ 57).

‟Ohne Nebenbuhlerinnen. Frauen merken es einem Manne leicht an, ob seine Seele schon in Besitz genommen ist; sie wollen ohne Nebenbuhlerinnen geliebt sein und verargen ihm die Ziele seines Ehrgeizes, seine politischen Aufgaben, seine Wissenschaften und Künste, wenn er eine Leidenschaft zu solchen Sachen hat. Es sei denn, daß er durch diese glänze, dann erhoffen sie, im Falle einer Liebesverbindung mit ihm, zugleich einen Zuwachs ihres Glanzes; wenn es so steht, begünstigen sie den Liebhaberˮ (‟Menschlichesˮ 410).

‟'Und die Liebe?' Wie! Sogar eine Handlung aus Liebe soll ʽunegoistischʼ sein? Aber ihr Tölpel –! ʽUnd das Lob des Aufopfernden?ʼ Aber wer wirklich Opfer gebracht hat, weiß, daß er etwas dafür wollte und bekam, vielleicht etwas von sich für etwas von sich, daß er hier hingab, um dort mehr zu haben, vielleicht um überhaupt mehr zu sein oder sich doch als ʽmehrʼ zu fühlen. Aber dies ist ein Reich von Fragen und Antworten, in dem ein verwöhnterer Geist sich ungern aufhält: so sehr hat hier bereits die Wahrheit nötig, das Gähnen zu unterdrücken, wenn sie antworten muß. Zuletzt ist sie ein Weib: man soll ihr nicht Gewalt antunˮ (‟Jenseitsˮ 221).

‟Darauf hob die Frau an, mit erkälteter Stimme: ʽaber es ist ja ganz klar! wir sind beide nicht das, was wir geliebt haben! Wenn du das bist, was du sagst und nicht mehr, so habe ich mich umsonst erniedrigt und dich geliebt; der Dämon verführte mich, so wie dich.ʼ Diese sehr wahrscheinliche Geschichte kommt nie vor, weshalb?ˮ (‟Morgenröteˮ 279).

‟Wie viele haben ihr Leben für die hübschen Weiblein geopfert, und selbst, was schlimmer ist, ihre Gesundheit! Wenn man das Temperament hat, so wählt man instinktiv die gefährlichen Dinge: z. B. die Abenteuer der Spekulation, wenn man Philosoph; oder der Immoralität, wenn man tugendhaft istˮ (‟Nachlassˮ 929).

‟Macht und Freiheit. So hoch Frauen ihre Männer ehren, so ehren sie doch die von der Gesellschaft anerkannten Gewalten und Vorstellungen noch mehr: sie sind seit Jahrtausenden gewohnt, vor allem Herrschenden gebückt, die Hände auf die Brust gefaltet, einherzugehen und mißbilligen alle Auflehnung gegen die öffentliche Macht. Deshalb hängen sie sich, ohne es auch nur zu beabsichtigen, vielmehr wie aus Instinkt, als Hemmschuh in die Räder eines freigeisterischen unabhängigen Strebens und machen unter Umständen ihre Gatten aufs höchste ungeduldig, zumal wenn diese sich noch vorreden, daß Liebe es sei, was die Frauen im Grunde dabei antreibe. Die Mittel der Frauen mißbilligen und großmütig die Motive dieser Mittel ehren , das ist Männer-Art und oft genug Männer-Verzweiflungˮ (‟Menschlichesˮ 435).

‟Die Verschiedenheit der Menschen zeigt sich… In betreff eines Weibes zum Beispiel gilt dem Bescheideneren schon die Verfügung über den Leib und der Geschlechtsgenuß als ausreichendes und genugtuendes Anzeichen des Habens, des Besitzens; ein anderer…ˮ (‟Jenseitsˮ 194).

_____________________________

 

16 Nietzsche habe Zarathustra IV ‟die Versuchung Zarathustras", oder "Liedern Zarathustras" "Nachtisch-Lied", "Nachtisch-Psalm", "Dionysos-Dithyramben", genannt ("Ecce" Warum ich so weise bin; an Fuchs 880729; F 1884 29 [47]; 31 [30]; 1886 5 [92]; 1888 22 [13-16]; 24 [1]5 Cf. Janz-Nietzsche). "Dionysos-Dithyramben", "Die Versuchung Zarathustras", "Einsamer in der Wüste" sind notiert seit Oktober 1884-88 (F 1884 32[16]) aber nur in 1891 in "Also" IV, und in "Dionysos-Dithyramben" noch in Nietzsches totaler Umnachtung sind veröffentlicht durch Köselitz bei Naumann. "Wollust in der Wüste" "Wollüstige, wüstlinge in der Wüste", oder "Die unfruchtbare Geschlechtlichkeit", "die Wüste, wächst", und wächst…. Von "Heiligen in der Wüste" in F 1871 11 [1]; "Die Quellen in der Wüste" Goethe (F 1878 27 [48]). Ich war in der Wüste, ich lebte nur als Erkennender. Dem Erkennenden reinigte sich die Seele, und der Durst nach Macht und alle Begierde wurden ihm heilig" (F 1882 5 [27]). Cf. Wolfgang Groddeck, "Dionysos-Dithyramben", de Gruyter.

 17 ‟Im dionysischen Rausche ist die Geschlechtlichkeit und die Wollust" (F 1888 14 [46]; "Nachlass" 799).

 18 ‟Alsoˮ; ‟Dithyrambenˮ; F 1884 28[4].

 19 ‟Die Hexen ziehen am 'Wolpersabend' (Walpurgisnacht) besonders als Katzen nach dem Brocken.[Pröhle: Harzsagen)

20 das orgiastische und dionysische Wesen, von dem die Weiber des europäischen Südens damals, als der Wein noch neu in Europa war, von Zeit zu Zeit heimgesucht wurden" ("Fröhliche" 43). Nietzsche spielt oftens

 21 Cf. Apollonios von Rodos, "Die Argonauten"; Aloys Schmitt, "Die Tochter der Wüste", Opern 1845, Frankfurt.

 22   "...und Höhle, Zarathustra sucht die Höhle. Symbol" ("F 1883 17 [9]); cf. Zarathustras "Höhle" (164x); "Höhle von Salamanca" (1877 22 [34])..

 23 Trozt dem Gebet: "Du nährtest uns mit starker Manns-Kost und kräftigen Sprüchen: laß es nicht zu, daß uns zum Nachtisch die weichlichen weiblichen Geister wieder anfallen!" ("Die Töchtern der Wüste" 1).

 24 "unter": a) kennzeichnet einen Abstand in vertikaler Richtung u. bezeichnet die tiefere Lage im Verhältnis zu einem anderen Genannten" (Duden 1983).

 25 ‟Welche Sprache wird ein solcher Geist reden, wenn er mit sich allein redet? Die Sprache des Dithyrambus. Ich bin der Erfinder des Dithyrambus" ("Dionysische Weltanschauung" 1.

 26 "Ödipus der Rätsellöser der Sphinx" ("Die Geburt" 9). Cf. "umphinxt"

 27 Die Hysterie in Europa (Müssiggang, geringe Nahrung, wenig Bewegung, bricht in religiösen Wahnsinn aus wie bei den Indern. Mangel an geschlechtlicher Befriedigung.) Vortheil, daß sich die religiosi nicht fortpflanzten" (F 1884 25[213]).

 28 "die dionische Urschmerz" (F 1870 8 [7]). "Urschmerz im Herzen des Ureinem" ("Die Geburt"). "Die Wahnvorstellungen als Verzückungen, um den Schmerz zu brechen" (F 1870 7 [104]).

 29 ‟Menschliches 2.2.83 Heiland und Arzt (Rausssss!). "Nachlass" 248.

 30 ‟Die Schwester von Kaunos, Byblis, ermattet niedersinkt und Tränen vergießend in eine Quelle sich auflöst, Ov. met. 9, 450 sqq (R.M.Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge).

 31 ‟Ich war in der Wüste, ich lebte nur als Erkennender. Dem Erkennenden reinigte sich die Seele, und der Durst nach Macht und alle Begierde wurden ihm heilig. Als Erkennender stieg ich weit über mich hinaus in der Heiligkeit und Tugend (F 1888 5 [27]). Eigentlicht, den Wunsch eine Reise in die "Palme-Oase Biskra" mit Rée zu machen in 1882 konnte er niemals erfüllen. ‟In der Sahara-Stadt Biskra lebt eine Zeit lang jedes Mädchen der benachbarten Völker von der Prostitution, um sich durch sie zu bereichernˮ (F 1880 3 [15]).

 32 ‟Suleikaˮ in Goethes ‟Suleikas Namehˮ (Marianne).

 33 ‟Kaunos, Sohn des Miletos u. der Kyane od. Eudothea. Er wurde von seiner Schwester Byblis mit unzüchtiger Liebe verfolgt; nicht erhört floh sie und wurde in Lykien in eine Quelle verwandelt. Daher Kaunische Liebe, so v.w. verbotene Liebe (Kaunos. Lexikon: Pierer's). Eine Explication des Mythos von "Kaunos" und Biblis geben, u.a., Jacob Burckhart in "Griechische Kulturgeschichte", Nonnos in "Leben und Taten des Dionysos", und, erstaunlich!, ein Nachfolger Nietzsches als Liebhaber von Lou, R.M.Rilke, in "Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge"; cf. "kaun..." in "Duineser Elegien. Zehnte Elegie".

 34 ‟eine ungeheure Naturwidrigkeit – wie dort der Inzest – als Ursache vorausgegangen sein muß; denn wie könnte man die Natur zum Preisgeben ihrer Geheimnisse zwingen, wenn nicht dadurch, daß man ihr siegreich widerstrebt, d.h. durch das Unnatürliche? Diese Erkenntnis sehe ich in jener entsetzlichen Dreiheit der Ödipusschicksale ausgeprägt: derselbe, der das Rätsel der Natur – jener doppelgearteten Sphinx – löst, muß auch als Mörder des Vaters und Gatte der Mutter die heiligsten Naturordnungen zerbrechen" ("Die Geburt" 9).

 35 "Im dionysischen Dithyrambus […] Jetzt soll sich das Wesen der Natur symbolisch ausdrücken; eine neue Welt der Symbole ist nötig, einmal die ganze leibliche Symbolik, nicht nur die Symbolik des Mundes, des Gesichts, des Wortes, sondern die volle, alle Glieder rhythmisch bewegende Tanzgebärde. Sodann wachsen die anderen symbolischen Kräfte, die der Musik, in Rhythmik, Dynamik und Harmonie plötzlich ungestüm. Um diese Gesamtentfesselung aller symbolischen Kräfte zu fassen, muß der Mensch bereits auf jener Höhe der Selbstentäußerung angelangt sein, die in jenen Kräften sich symbolisch aussprechen will: der dithyrambische Dionysusdiener wird somit nur von seinesgleichen verstanden!" ("Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik" 2). Und nur für "für sich" ("Ecce") und für "seinesgleichen" (etwas 20) wollte Nietzsche diese Dithyramben singen. Die Wüste wachst...

 36 "glāns, glandis, f. (griech. βάλανος), I) jede Kernfrucht, als Dattel, Kastanie, Walnuß usw.,[...] B) die Eichel am männlichen Gliede, Cels. 7, 25, 1 sq. (K.E.Georges, Latin-Deutsch)

 37 ‟der wissenschaftliche Kopf auf einen Affenleib [...] der lachende und selbstzufriedene Satyr" ("Jenseits" 26). "in dem Urteil des Affen liegt die Moral" (G.E.Lessing, "Von dem Wesen der Fabel")

 38 ‟Selaˮ = Salis, Der Inn in Silser-See, St.Moritz; auch Beischrift in Psalmen (‟Selaˮ in Pierer's 1857) und in Liedern z.B. von Luther und Goethe.

 39 ‟Gab es Schmutzigeres bisher auf Erden als Wüsten-Heilige? Um die herum war nicht nur der Teufel los, sondern auch das Schweinˮ (‟Alsoˮ Vom höheren Menschen 13).

 40 "in der Mittagshitze" ("Die dionysische Weltanschauung"). "Schopenhauer, obschon Pessimist, eigentlich, die Flöte blies... Täglich, nach Tisch: man lese hierüber seinen Biographen. Und beiläufig gefragt: ein Pessimist, ein Gott- und Welt-Verneiner, der vor der Moral haltmacht, der zur Moral ja sagt und Flöte bläst, zur laede-neminem-Moral: wie? ist das eigentlich, ein Pessimist?" ("Jenseits" 187).

 41 "Acedia" in HWPhilosophie.

 42 Cf. auch in Nietzsche die Flöte von Pan und von Schopenhauer.

 43 "Fand ich je auf Erden so gute Luft als bei dir in deiner Höhle? Viele Länder sah ich doch, meine Nase lernte vielerlei Luft prüfen und abschätzen: aber bei dir schmecken meine Nüstern ihre größte Lust!" ("Also" Unter die Töchtern). "Mein Genie ist in meinen Nüstern..." ("Ecce" Warum ich ein Schicksal bin 1). "Diese Nase zum Beispiel, von der noch kein Philosoph mit Verehrung und Dankbarkeit gesprochen hat" ("Götzen" Die Vernunft in der Philosophie 3). Cf. Nüstern, Nase, schnüffeln, riechen.

 44 Unter Klammern sind die Ausdrücke nur in der Versión von "Nietzsche-Dithyramben", und nicht in "Also sprach Zarathustra IV".

 45 ‟Où? Quand? Combien?ˮ he [Oscar Wilde] enquired. Marie Aguétant: ‟Içi, ce soir, gratuit,ˮ she answered. ‟I think of her often,ˮ he said, ‟and of that night. What animals we men are! She was a whore, Robert, but she had a heart that was pure. She was murdered, you knowˮ (Gyles Brandreth, ‟Oscar Wilde and a Death of No Importance: A Mysteryˮ).